Stellungnahme zu den Ausschreitungen im EberCamp

Auf der Bürgerversammlung im Dezember 2015 sprach man noch von max. 6 Wochen Übergangsunterbringung.

Zurzeit häufen sich leider die Streitigkeiten unter den Bewohnern im EberCamp hier in Ebersbach. Zuletzt gab es nun auch Verletzte auf Seiten der Polizei was wir sehr bedauern. Die Flüchtlingshilfe Ebersbach bitte aber darum, vor einer schnellen Verurteilung der Beteiligten oder der Flüchtlinge im Allgemeinen, darüber nachzudenken in welcher Situation sich diese Menschen befinden.

Als das EberCamp geplant wurde, hat das LRA Göppingen der Stadt Ebersbach, dem Gemeinderat und der Bevölkerung eine maximale Aufenthaltsdauer von 6 Wochen versprochen. Nachdem die erste Welle an Flüchtlingsfamilien bereits knapp 6 Monate dort verbringen musste, hält man aktuell die männlichen Bewohner seit mitunter über einem Jahr im EberCamp. Die meisten verbrachten davor bereits fast ein Jahr in der Öde Turnhalle. Zusätzlich verlegt man Problemfälle ins Camp, da es dort zum einen Sicherheitspersonal gibt, aber das Camp auch als Bestrafung und Abschreckung dient.

Die Menschen die hierhergekommen sind, sind nicht zum Urlaub machen gekommen. Viele haben eine schlimme Vergangenheit hinter sich und eine völlig ungewisse Zukunft vor sich. Dazu kommt die Situation im EberCamp leben zu müssen – Hitze im Sommer, Kälte im Winter, Zug- und Straßenverkehr der durch die Brücke besonders laut widerhallt und die Lautstärke im Zelt selbst. Dies alles führt bei vielen der Menschen zu Depressionen, sie werden ruhiger, antriebslos, bekommen Schlafstörungen, können sich nicht konzentrieren und geben sich irgendwann selbst auf, bis hin zu Selbstmordgedanken. Andere werden aggressiv und versuchen ihre Probleme durch Alkohol und Drogen zu lösen. Dies führt wiederum dazu, dass sich die Situation im EberCamp weiter verschlimmert.

Das LRA sieht kein Handlungsbedarf und die Menschen werden dort weiterhin wie Tiere gehalten, während man von ihnen erwartet sich zu integrieren, die Sprache zu erlernen und einer Arbeit nachzugehen. Ein Auszug aus dem Camp ist frühestens nach 2 Jahren oder bewilligten Asyl (selten, da ein Großteil der Bewohner aus Afghanistan und dem Iran kommt) möglich. Und auch erst dann wenn eine Wohnung gefunden wurde. Viele der Flüchtlinge trauen sich nicht die Außenwelt darauf aufmerksam zu machen, da sie befürchten müssen, dass bisschen was sie aufgebaut haben wieder zu verlieren (Beziehungen, Sprachkurse, Arbeit…) weil sie z.B. ans andere Ende des Landkreises verlegt werden (bereits passiert). Abgeschoben werden sie aber in der Regel auch nicht, da es schlichtweg rechtlich nicht möglich ist. Viele wollen nach wie vor eine Zukunft hier aufbauen. Dazu verdammt ohne Perspektive in einem Zelt zu warten und daran kaputt zu gehen. Bei wenigen wird dies durch solche Aggression für die Öffentlichkeit sichtbar, der weitaus größere Teil verzweifelt einfach nur im Stillen.

Dies muss aufhören! Wir fordern das LRA Göppingen auf, die durch u.a. Hr. Heinz versprochen 6 Wochen endlich einzuhalten oder das EberCamp ganz zu schließen. Menschen bewusst in den psychischen Abgrund zu treiben ist nicht akzeptabel. Auch fordern wir die Stadt Ebersbach und den Gemeinderat auf, die Versprechen des LRA endlich einzufordern. Zum Wohl dieser Menschen, aber auch allen Ebersbachern!

Flüchtlingshilfe Ebersbach

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